Empfohlen: Die Auslöschung

Der Mittwochabend-Spielfilm im Ersten war eine Herausforderung - für die Schauspieler  so wie für die Zuschauer.

Die Auslöschung beschreibt den unaufhaltsamen Persönlichkeitsverlust bei einer Demenzerkrankung am Beispiel des kultivierten und wohlsituierten Herrn Ernst, der von seiner jüngeren Lebensgefährtin Judith verständnisvoll begleitet wird. Die Hauptrollen sind mit Klaus Maria Brandauer und Martina Gedeck hervorragend besetzt.

Das Drehbuch konzentriert sich auf die Veränderung der Persönlichkeit. Weitere unerfreuliche Aspekte, die im wirklichen Leben vorkommen, werden dem Zuschauer erspart, wie Verwahrlosung, Aggressivität, unwürdige Pflege oder vorweg genommene Erbstreitigkeiten.

Der Film basiert auf  einer gründlichen Kenntnis von Demenzerkrankungen. Bezeichnend ist eine Szene, in dem der Vater seinen Sohn mit den Worten begrüßt: „Na junger Mann, was machen Sie denn so?“ Mit solchen übrig gebliebenen Wort- und Gedankenhülsen meistern Demenzkranke Situationen, auf die sie nicht mehr angemessen reagieren können. An dieser Stelle fragt sich der Zuschauer, was von seinen geistigen Versatzstücken einmal übrig bleibt, wenn er die die mentale Kontrolle verliert.

„Die Auslöschung" gehört zu den sehenswerten Filmen im Mittwochabendprogramm der ARD, die ein gesellschaftliches Problem differenziert beschreiben. Keine Angst, Wie ein Licht in der Nacht, Kehrtwende gehören auch in diese Kategorie.

Solche Filme eignen sich nicht für das Kino und vermutlich auch nicht für den Export in andere Länder. Das öffentlich-rechtliche Fernsehen leistet sich Produktionen, die sich an ein anspruchsvolles Fernsehpublikum wenden. Bleibt zu hoffen, dass sie von diesem auch wahrgenommen werden.

9. Mai 2013

Dr. Patricia Aden

demnächst mehr ...

Die mRNA-Impfung - ein neues Kapitel der Wissenschaft

 

Die Hersteller von mRNA-Impfstoffen werden tagtäglich in den Medien genannt. Der Name der Frau, die diese neue Impftechnologie erst möglich gemacht hat, Katalin Karikó, ist dagegen weitgehend unbekannt. Die ungarische Wissenschaftlerin, seit 2013 im Vorstand von BioNTech, hat zusammen mit ihrem Kollegen Drew Weissmann an der University of Pennsylvania lange über mRNA (messengerRNA, Boten-RNA) geforscht. Ihr Ziel war, die mRNA in den menschlichen Organismus einzubringen, um den Körper selbst zur Herstellung von Medikamenten oder Impfstoffen im menschlichen Körper zu veranlassen.

 

Die  mRNA hat in der Zelle eine definierte Funktion. Schon in den 1960er Jahren wurde beschrieben, dass sie die DNA im Zellkern abliest und die Information zu den Ribosomen im Zellplasma bringt. Die DNA als „Zentrale“ der Zelle gibt die Anweisungen, die mRNA als „Bote“ überbringt die Anweisungen, und die Ribosomen als „Produktionsstätte“ führen die Anweisung aus, indem sie den von der DNA in Auftrag gegebenen Stoff herstellen.

Nachdem diese Funktion verstanden war, lag der Gedanke nahe, der Zelle durch künstlich eingeschleuste mRNA eigene Arbeitsaufträge zu geben, z. B. fehlende Enzyme, Substanzen gegen Krebs oder auch Antigene wie sie in Impfstoffen enthalten sind, produzieren zu lassen – so war die Überlegung. In einem Versuch mit Mäusen gelang es Karikó und Weissmann erstmals zu zeigen, dass dieses möglich war. Der Anwendung beim Menschen stand aber die Befürchtung entgegen, dass die künstlich zugeführte mRNA eine Immunreaktion auslösen könnte, die diese zerstörte bevor sie überhaupt ihren Wirkungsort erreichte, und darüber hinaus dem Empfänger schaden konnte.

Trotz fehlender finanzieller Unterstützung gelang es Karikó und Weissmann 1995, eine veränderte mRNA herzustellen, die in den menschlichen Organismus gelangte, ohne vom Immunsystem zerstört zu werden. Sie tauschten eines der Bestandteile der mRNA aus und machten sie damit für das Immunsystem unsichtbar.  Das war ein wissenschaftlicher Durchbruch, der von manchen für nobelpreiswürdig gehalten wird.

Für uns liegt die aktuelle Bedeutung dieser wissenschaftlichen Leistung in der Bekämpfung der Pandemie. Die unglaublich schnelle Entwicklung des Impfstoffes durch die Firmen BioNTech, Moderna und Curevac war möglich, weil das Grundgerüst des Impfstoffes bei Ausbruch der Pandemie bereits bestand. Der Forschungsschwerpunkt lag ursprünglich auf einer individualisierten Krebstherapie und der Behandlung seltener Erkrankungen. Sobald das Virus im Januar 2020 sequenziert war, schwenkten die Firmen auf die Entwicklung eines Impfstoffes um. Auch bei künftigen Pandemien oder bei einer Mutation des SARSCoV2 kann der Impfstoff schnell neuen Erfordernissen angepasst werden. Hoffen wir, dass es gelingt, die Pandemie mit Hilfe der Impfstoffe zu überwinden. Dann werden Kapazitäten frei, um viele weitere Krankheiten mit Hilfe der mRNA-Impfung zu therapieren.

Februar 2021

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.