Empfohlen: Die Auslöschung

Der Mittwochabend-Spielfilm im Ersten war eine Herausforderung - für die Schauspieler  so wie für die Zuschauer.

Die Auslöschung beschreibt den unaufhaltsamen Persönlichkeitsverlust bei einer Demenzerkrankung am Beispiel des kultivierten und wohlsituierten Herrn Ernst, der von seiner jüngeren Lebensgefährtin Judith verständnisvoll begleitet wird. Die Hauptrollen sind mit Klaus Maria Brandauer und Martina Gedeck hervorragend besetzt.

Das Drehbuch konzentriert sich auf die Veränderung der Persönlichkeit. Weitere unerfreuliche Aspekte, die im wirklichen Leben vorkommen, werden dem Zuschauer erspart, wie Verwahrlosung, Aggressivität, unwürdige Pflege oder vorweg genommene Erbstreitigkeiten.

Der Film basiert auf  einer gründlichen Kenntnis von Demenzerkrankungen. Bezeichnend ist eine Szene, in dem der Vater seinen Sohn mit den Worten begrüßt: „Na junger Mann, was machen Sie denn so?“ Mit solchen übrig gebliebenen Wort- und Gedankenhülsen meistern Demenzkranke Situationen, auf die sie nicht mehr angemessen reagieren können. An dieser Stelle fragt sich der Zuschauer, was von seinen geistigen Versatzstücken einmal übrig bleibt, wenn er die die mentale Kontrolle verliert.

„Die Auslöschung" gehört zu den sehenswerten Filmen im Mittwochabendprogramm der ARD, die ein gesellschaftliches Problem differenziert beschreiben. Keine Angst, Wie ein Licht in der Nacht, Kehrtwende gehören auch in diese Kategorie.

Solche Filme eignen sich nicht für das Kino und vermutlich auch nicht für den Export in andere Länder. Das öffentlich-rechtliche Fernsehen leistet sich Produktionen, die sich an ein anspruchsvolles Fernsehpublikum wenden. Bleibt zu hoffen, dass sie von diesem auch wahrgenommen werden.

9. Mai 2013

Dr. Patricia Aden

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